Ein agiles Projekt ist kein Ponyhof

October 5, 2012

Eine Email mit dieser Betreffzeile hatte ich neulich in meiner Inbox, just als ich nach 1 Stunde (!!) aus dem Daily-Scrum kam und mir dachte “mit ‘agil’ hat der ganze Kindergarten nix (mehr) zu tun”. Ja, richtig gelesen, eine ganze Stunde für ein tägliches Stand-up Meeting mit 5-7 Teilnehmern - und das war keinesfalls eine Ausnahme, das wäre ja gar nicht so schlimm gewesen - es war der Regelfall! Leider verhallten meine wiederholten Rufe nach mehr Disziplin und das Kurzfassen jedes Einzelnen im Leeren. Da kam mir also diese Email gerade recht.

Ein agiles Projekt ist kein Ponyhof ist der Titel des ersten Kapitels des Buches “Agile Projekte mit Scrum, XP und Kanban im Unternehmen durchführen: Erfahrungsberichte aus der Praxis” von Henning Wolf (Hrsg.) (Amazon Link). Ein Buch, welches sich manche “so-called” Projektmanager vielleicht mal anschauen und zumindest in Teilen durchlesen sollten, wenn sie meinen, sie führten ihre Projekte agil durch. Gerade dieses erste Ponyhof-Kapitel schildert eindrucksvoll, dass mit “agil” keineswegs gemeint ist, das heute mal so und morgen mal so agieren und es unter dem Deckmantel der Agilität und der damit ja ach so aktuellen PM-Methode verstecken kann.

Leider versuchen heutzutage immer noch zu viele Projektmanager ihre Planlosigkeit und Unfähigkeit ein Projekt wirklich zu managen, mit “wir machen das hier ganz agil” zu verargumentieren. Wenn ich eine solche Aussage höre, fangen bei mir gleich alle Alarmglocken an zu läuten. Denn was steckt hinter dieser Aussage? Meist eine völlige Planlosigkeit, was denn nun genau wie umgesetzt werden soll (von der Fachlichkeit keine Ahnung und keine Vision, manchmal auch kein Interesse) und kein Überblick über die einzelnen Anforderungen und Abhängigkeiten. Meist gepaart mit einem Fehlen eines guten bzw. für das Projekt leistungsfähigen Issuetrackers und/oder Projektmanagement-Tools.
Das schlägt sich letztendlich auf das Team durch, welches nicht genau weiß, was es umzusetzen gilt und anfängt, bei der Implementierung Annahmen zu treffen, was einer der Anfänge ist, dass ein Projekt komplett scheitert bzw. nicht die Erwartungen der Auftraggeber (oder Project Owner) erfüllt.

Agil heißt also nicht, wir können machen was und wie wir wollen, sondern müssen uns auch an gewisse Regeln halten (und sei es, dass wir sie selbst aufgestellt haben). Keine Regularien sind keine Option. Und Regeln aufstellen, einhalten, kontrollieren heißt Aufwand, heißt Arbeit. Somit ist ein agiles Projekt also keinesfalls ein Ponyhof und bedarf genauso einer Disziplin wie andere PM-Methoden. Leider wird ein agiles Projekt aber oft als Kindergarten durchgeführt, in dem jeder das macht, von dem er meint dass es richtig ist.

Tags: agile projektmanagement scrum